Entstehung "Wege des Widerstands"

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiv mit der Frage, wie Geschichte auf der Bühne erzählt werden kann, ohne ihre Komplexität zu verlieren. Besonders interessieren mich dabei Menschen, die in schwierigen politischen Situationen eine persönliche Haltung entwickeln mussten. Bei der Arbeit an „Wege des Widerstands – Irene Harand und Wilhelm Zehner“ wurde mir schnell klar, dass hinter den historischen Fakten sehr unterschiedliche Lebensentscheidungen stehen. Eine Pazifistin und ein General, zwei Biografien, zwei völlig verschiedene Vorstellungen davon, wie man einem totalitären System entgegentreten kann. Dieser Beitrag beschreibt, wie aus Recherche, Gesprächen mit Historikern und vielen Arbeitsstunden schließlich ein Theatertext entstanden ist.

Ein Stück entsteht selten am Schreibtisch allein. Es wächst aus Recherche, Gesprächen, Zweifeln und vielen kleinen Entscheidungen.

Die Idee, dieses Stück aufzuführen, verfolge ich seit dem Herbst 2024. Im Sommer 2025 begann die literarische Arbeit. Auf meinem Tisch lagen Biografien, historische Studien und wissenschaftliche Aufsätze zur Zwischenkriegszeit in Österreich und Deutschland. Besonders die Lebensgeschichten von Irene Harand, Moriz Zalman, Alfred Jansa und Wilhelm Zehner bestimmten meine Arbeit.

Harand und Zehner stehen im Zentrum des Stücks. Zwei Persönlichkeiten mit völlig unterschiedlichen politischen und persönlichen Voraussetzungen, verbunden durch ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Harand kämpfte publizistisch und politisch gegen antisemitische Propaganda, während Zehner als General des österreichischen Heeres militärische Strategien gegen einen möglichen Angriff Hitlers vorbereitete.

Biografisches Material folgt keiner Dramaturgie. Ereignisse stehen nebeneinander, Quellen widersprechen sich, Perspektiven verändern sich mit der Zeit. Der Arbeitsprozess besteht darin, aus diesem Material eine nachvollziehbare Struktur zu formen, ohne historische Genauigkeit zu verlieren.

Der fertige Text entstand im Spätsommer 2025. Anschließend begann ein entscheidender Schritt: die historische Prüfung. Historiker des Heeresgeschichtlichen Museums Wien sowie die Zeithistoriker Prof. Michael Dippelreiter, Prof. Kurt Scharr und Dr. Kurt Mitterer überprüften den Text auf sachliche Fehler und Ungenauigkeiten. Diese Zusammenarbeit ist für das Projekt zentral. Kunst darf interpretieren, Geschichte verlangt Präzision.

Im Herbst folgte die praktische Umsetzung. Aufführungsorte wurden festgelegt, Termine organisiert und das musikalische Konzept konkretisiert. Die musikalische Grundlage bilden Kunstlieder und Werke aus der Zeit zwischen 1883 und 1975. Sie spiegeln das kulturelle Umfeld, in dem sich die Lebenswege der beiden Protagonisten bewegten.

Parallel dazu begann die Probenarbeit mit Regisseur Thomas Lackner und der Pianistin Vyara Shperlieva. Zunächst in größeren Abständen, inzwischen deutlich dichter. Diese frühe Probenphase erweist sich als wertvoll. Ein Text verändert sich, sobald er gesprochen wird. Musik verändert eine Szene, Timing verändert eine Aussage. Erst im Zusammenspiel entsteht die endgültige Form eines Bühnenabends.

Schritt für Schritt erweitert sich auch der musikalische Rahmen. Aus der Arbeit mit Klavier entsteht nun der Übergang zum Orchester der Militärmusik Tirol. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Robert Stolz, Alban Berg, Gustav Mahler, Alexander von Zemlinsky, Richard Strauss und Dora Pejačević. Bald wird hörbar, wie diese Musik im größeren Klangkörper wirkt.

Die Premiere findet am 29. April 2026 im Landhaus Innsbruck statt. Das Projekt ist Teil der Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg und richtet sich bewusst an ein breites Publikum. Am 7. Mai folgt eine weitere Aufführung in Mieming. Neben den regulären Vorstellungen sind auch Termine für Schulklassen vorgesehen.

„Wege des Widerstands“ verbindet historische Recherche, Musik und Theater zu einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Verantwortung und Handlungsspielräumen in politischen Krisenzeiten. Die Gegensätze zwischen einer Pazifistin und einem General bilden dabei keinen Wettstreit, sondern eine Perspektive auf unterschiedliche Formen von Widerstand.

Datum: 04.03.2026

Adresse

Elisabeth De Roo
Österreich
+43 660 4938137

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