Widerstand zeigt sich selten laut. Mich interessiert der Moment, in dem Haltung Form annimmt, noch bevor sie sichtbar wird. Dieser Text ist eine persönliche Annäherung an „Wege des Widerstands“, an Zweifel, Entscheidungen und die Frage, was eine Stimme tragen kann.

Ich arbeite an Stoffen, bei denen mir nicht egal ist, was sie auslösen. „Wege des Widerstands“ gehört dazu. Dieses Projekt hat mich nicht begleitet, es hat mich beansprucht.

Beim Schreiben komme ich immer wieder an denselben Punkt: Widerstand ist kein großes Pathos. Er beginnt leise. Oft einsam. Meist ohne Applaus. Mich interessiert dieser Moment vor der Entscheidung. Der Augenblick, in dem jemand merkt, dass Anpassen einfacher wäre, sich aber trotzdem dagegen entscheidet.

Irene Harand und Wilhelm Zehner haben mich aus unterschiedlichen Gründen nicht losgelassen. Harand, weil sie Sprache als Werkzeug genutzt hat. Klar, präzise, unbequem. Zehner, weil er aus einem System kam, das Gehorsam verlangte, und trotzdem eine Grenze zog. Zwei Haltungen, zwei Temperamente, ein gemeinsamer Punkt: Verantwortung.

Während der Arbeit merke ich, wie körperlich Geschichte werden kann. Texte, Daten, Akten allein reichen mir nicht. Ich will hören, wo etwas kippt. Deshalb Musik. Deshalb Stimme. Ein Ton kann Zweifel tragen, Angst, Entschlossenheit. Gesang ist für mich kein Schmuck, sondern ein Mittel der Zuspitzung. Wie ein Brennglas.

Es gab Momente, in denen mir die Nähe schwer fällt. Zehners Tod, die offene Frage nach Schuld, Druck, Ausweglosigkeit. Harands Klarheit in einer Zeit, in der Wegsehen Normalität war. Ich habe mir erlaubt, diese Spannung nicht aufzulösen. Das Publikum darf sie aushalten. Ich auch.

Die Arbeit mit der Militärmusik Tirol ist dabei entscheidend. Der kollektive Klang steht für Ordnung, Struktur, Masse. Meine Stimme dagegen ist verletzlich, persönlich, manchmal unrein. Dieser Kontrast ist kein Effekt. Er bildet das innere Ringen ab, das jede Entscheidung begleitet.

Ich arbeite an diesem Stück nicht, um Antworten zu geben. Mich interessiert, ob etwas nachhallt. Ob jemand den Saal verlässt und sich fragt, wo die eigene Grenze liegt. Widerstand beginnt nicht mit Heldentum. Er beginnt mit Wahrnehmung.

Dass Schulklassen eingeladen sind, ist für mich kein Zusatzprogramm. Es ist zentral. Junge Menschen spüren sehr genau, ob Geschichte museal oder relevant erzählt wird. Wenn Gespräche entstehen, wenn Widerspruch kommt, wenn Unruhe bleibt, dann hat der Abend seine Aufgabe erfüllt.

Mein Empfinden lässt sich vielleicht so beschreiben: Ich habe versucht, still zu bleiben, wo Stille falsch wäre. Und einen Ton zu setzen, der trägt, ohne zu erklären.

Ich freue mich darauf diesen Weg zu gehen. 

 

 

Fotos: Vgl. 

Datum: 14.12.2025

Adresse

Elisabeth De Roo
Österreich
+43 660 4938137

email

Keinen Termin verpassen?

... Newsletter abonnieren ... 

Kontakt

... und sonst so?

ob Theater, Kino, Hundetraining oder Wanderung - hier kommen meine Empfehlungen

Link

powered by webEdition CMS